PROJEKTBESCHRIEB

FRIENDS

 

Mit FRIENDS gelangen weltliche und geistliche Chorwerke – mal a cappella, mal mit Generalbass- oder Ensemblebegleitung – zur Aufführung, die stilistisch gesehen voneinander weit weg zu sein scheinen, und doch im Grunde dasselbe besingen: die Freuden der Freundschaft.

Als Dreh- und Angelpunkt des Konzerts fungiert Johann Sebastian Bachs Motette «Jesu, meine Freude». In ihrer symmetrischen Anlage erörtert sie auf einfallsreiche, elegante und doch wahnsinnig direkte Art die unerschütterliche Kraft, die einer tiefen Verbundenheit – eben Freundschaft – zwischen Individuum und Glauben innewohnt. In Klassik-Foren werden Bachs Motetten auch gerne als Monolithen des Spätbarocks bezeichnet, sind sie doch zugleich Spielwiese, Experimentierfeld und Hürdenlauf für jeden Chor –  herausfordernd, bereichernd, beglückend.

Das Motiv der Freundschaft wird natürlich auch in der weltlichen Volksmusik verschiedener Kulturen verarbeitet, weshalb im Programm auch zwei Volkslied-Sätze zu finden sind: einerseits das Schweizer Volkslied «Du fragsch mi, wär i bi» in einem Arrangement von Heidi Stucki und Hansruedi Willisegger, andererseits die schwedische Komposition «Vem kann segla förutan vind». Was nützt uns das Segeln über die Meere, was nützt uns unser Sein, wenn wir es nicht mit unseren Liebsten teilen können? Ein weiterer stilistischer Abstecher, diesmal in die Popularmusik der 1960er-Jahre, verspricht das Arrangement «With A Little Help From My Friends» von den Beatles, das mit der beinahe schon ternären Shuffle-Ästhetik und somit ganz anderem musikalischem Groove die Freundschaft besingt.

Mit Olivier Messiaens Kompositionen «Louange à l’Éternité de Jésus» für Cello-Solo gelangt das Publikum in den Genuss eines weiteren Klangfarben-Spektrums. Sich am Rande der dur-moll-zentrierten Tonalität, am Übergang zur vollständigen Emanzipation des Rhythmus (gespickt mit den für Messiaen so charakteristischen überzähligen Notenwerten (valeurs ajoutées) bewegend, stellt dieses Werk eine Herausforderung für die Ausführenden dar und bietet der selten gehörten Musiksprache Messiaens eine schöne Plattform.

Neben der stilistischen Breite, die dieses Programm ausmacht, verspricht die personelle Besetzung ebenfalls Raffinesse und Abwechslung. So konnte der Kammerchor den Pianisten Simon Hehlen und die Aarauer Cellistin Deborah Di Marco für den Part des Generalbasses gewinnen. Letztere wird auch als Solo-Cellistin bei einigen Vokalsätzen sowie bei Messiaens «Louange à l’Éternité de Jésus» zu hören sein. Mit der Wahl der Musiker:innen setzt der Kammerchor Aarau einerseits auf Konstanz, andererseits auf lokal verankerte Persönlichkeiten. Auch das Celloensemble I Cantuccelli, welches für die Begleitung der Popularmusik-Sätze hinzugezogen wird, ist in der Region Aarau zu Hause. Die Kombination des Chors mit dem bis zu vierstimmigen Cello-Sound verspricht eine neuartige musikalische Klangsymbiose.

Mit FRIENDS wagt sich der Kammerchor an ein neuartiges musikalisches Projekt, welches sich durch eine stilistische Breite und gleichzeitig kammermusikalische Agilität und Flexibilität auszeichnet. In Zeiten sozialer Spannungen in der Bevölkerung aufgrund der schwierigen pandemischen und dadurch politischen Situation demonstrieren die Beteiligten, dass mit musikalischen und künstlerischen Mitteln Freundschaft, Respekt und gegenseitiges Aufeinander-Zukommen entstehen kann.