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NOTIZEN ZUM KONZERTPROGRAMM VOM 20./21. JUNI 2020 

LUX

 

Licht in allen erdenklichen Intensitäten und Zuständen. Licht als Lebensspender und Wärmeerzeuger. Licht als Trost, wenn scheinbar eines erloschen ist. Licht als Glanz und Freude. Der Kammerchor Aarau stellt im nächsten Frühlingskonzert Werke ins Zentrum, die sich aus weltlicher wie geistlicher Perspektive mit der Macht und Bedeutung des Lichts auseinandersetzen. 

 

Den Anfang macht Lili Boulanger mit dem Werk „Hymne au Soleil“. In dieser Vertonung für Chor und Klavier wird die Kraft des Sonnenlichts mit impressionistischer Harmonik und unbedingter, eindrucksvoller Melodieführung gepriesen. Lili Boulanger indes war in der Künstlerszene des frühen 20. Jahrhunderts ein Stern, der viel zu früh verglühte: Die erste Prix-de-Rome-Preisträgerin überhaupt (1913) starb bereits im Alter von 24 Jahren.

 

Wo Licht ist, ist auch Schatten – und wo Schatten ist, wartet auch das Licht. Das musste Hiob gemäss der biblischen Erzählung am eigenen Leib erfahren. Sein Glaube an Gott reisst aber auch nach schwersten Schicksalsschlägen nicht ab und wird mit neuem Wohlstand und neuem Leben belohnt. Fanny Mendelssohn-Hensel, eine herausragende Komponistin der Früh- und Hochromantik, setzte die Geschichte mit der Kantate „Hiob“ für Chor, Soli ad lib. sowie Kammerorchester in Musik um und bediente sich der kantatentypischen dreiteiligen Form sowie einer durchsichtigen Instrumentierung, deren gestrenger Charakter sich schliesslich zu einem strahlenden Schlusschor wandelt.

 

Werke von Komponistinnen bilden einen Schwerpunkt des Programms „Lux“. Mit Sofia Gubaidulina und ihrem „Sonnengesang“ gelangt eine der wichtigsten Vokalkompositionen um die Jahrtausendwende zur Aufführung. Die Vertonung des Sonnengesangs von Franz von Assisi aus dem Jahr 1998 weist eine schillernde Besetzung auf (Chor, Solo-Violoncello und Perkussion), die für das Kammerchorkonzert durch Ramin Abbassi für Solo-Sopran, Chor und Kammerorchester angepasst wurde. Die gänzlich neue Musiksprache wird für die Ausführenden eine neue und spannende Erfahrung. Zugunsten einer unterstützenden Konzertdramaturgie könnte dieses Werk allenfalls aufgeteilt und in Abschnitten aufgeführt werden.

 

Eric Whitacre, einer der erfolgreichsten Vokal-Komponisten der Gegenwart, wurde nicht nur mit seinen stimmungsvollen Stücken bekannt, sondern auch durch die neuartige Aufnahmetechnik: Viele Kompositionen werden jeweils von Einzelpersonen weltweit (weit über 100 Ausführende) eingesungen und anschliessend aufwendig zusammengemischt (Virtual Choir). Das Stück „Lux aurumque“ stammt aus dem Album „Light and Gold“ arbeitet mit tonalen und modalen Cluster-Elementen.

 

Amy Beachs „Lux aeterna“ bildet den Abschluss des Konzerts. Das als eigenständiger Satz – und somit nicht in der Totenmesse – konzipierte Werk für Solosopran, Chor und Kammerorchester orientiert sich nicht nur an den europäischen expressionistischen Einflüssen, sondern ebenso an der amerikanischen Tradition der Collage rund um Charles Ives.

 

Mit Hannah Beutler konnte eine starke Sopranistin engagiert werden, die sich im frühromantischen wie auch expressiven Gesang stilsicher und mit Elan bewegt. Die junge Künstlerin wird sich bestens in den Chorklang integrieren können. Das Ad-hoc-Ensemble (bestehend aus 4 Vio, 2 Vla, 2 Vcl, 1 Kb, 1 Harfe, 1 Klavier, 1 Flöte, 1 Oboe, 2 Perk) besteht aus bereits fertig ausgebildeten Musikerinnen und Musikern sowie Musikstudierenden aus dem Kanton Aargau.

 

„Lux“ ist der Titel für ein gewagtes und generationenübergreifendes Konzerterlebnis. Nebst der Förderung unbekannter und klassisch-moderner Vokalwerke leistet der Kammerchor Aarau mit der Werkauswahl auch einen Beitrag zur Aufführungspraxis von Werken von Komponistinnen. Mit einer durchdachten Konzertdramaturgie, Varianten in der Bespielung des Konzertraums und einer geplanten Konzerteinführung wird das Publikum an die zeitgenössische Musik herangeführt.